Dirk Haller im Podcast „Wissen Weekly“ über Darmkuren mit Probiotika
Wissenschaftskommunikation |
Der Anlass für die Podcast-Folge über so genannte Darmkuren ist, dass diese in den sozialen Medien sehr populär geworden sind. Manche Hersteller-Firmen und Influencer bewerben sie mit großen Versprechen: Darmkuren sollen Wundermittel zum Abnehmen sein, gegen einen aufgeblähten Bauch helfen oder zu einer schönen Haut führen.
Also einfach den Darm aufräumen und alle Probleme sind beseitigt? Das klingt zu gut, um wahr zu sein. Der Podcast „Wissen Weekly“ ist der Frage nachgegangen: Was bringen Darmkuren wirklich, welchen Nutzen haben Prä- und Probiotika?
Der Darm ist der Forschungsschwerpunkt von Prof. Dirk Haller, er leitet den Lehrstuhl Ernährung und Immunologie an der TUM School of Life Sciences. Den Hörerinnen und Hörern erklärt er das Mikrobiom – das „Ökosystem in unserem Darm“. Es baut sich nach der Geburt in jedem Menschen individuell auf.
Was ist der Unterschied zwischen Probiotika und Präbiotika?
Dirk Haller verweist auf die WHO-Definition: Probiotika sind lebende Mikroorganismen, die – wenn man sie in ausreichender Menge verzehrt – einen gesundheitsförderlichen Effekt haben. Dazu zählen Joghurt und Kefir, Sauerkraut und anderes fermentiertes Gemüse (Kimchi).
Präbiotika sind wiederum das Substrat, mit dem Bakterien im Darm leben – das sind Ballaststoffe aus unserer Nahrung, die in Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Gemüse und Obst enthalten sind. Prof. Dirk Haller fasst zusammen: „Probiotika sind die Bakterien selber, Präbiotika sind das Futter für günstige Bakterien.“
Ein Darmflora-Test im Selbstversuch
Moderatorin Lisa Sophie Scheurell teilt mit den Hörerinnen und Hörern ihre persönliche Erfahrung: Sie macht einen so genannten Darmflora-Test, der laut Anbieter auf neuesten biotechnologischen Methoden basiert und die mikrobielle DNA der eingesandten Probe untersucht. ("Darmflora" ist ein älterer Ausdruck für das Mikrobiom.)
Scheurell erhält eine Auswertung des Tests mit Ernährungsempfehlung, bestellt anschließend die dabei beworbene Darmkur und berichtet im Podcast, was dabei herauskommt. Das Testergebnis und die beigefügten Empfehlungen empfindet sie als zu ungenau oder allgemein.
Zu derartigen Untersuchungen des Mikrobioms meint Dirk Haller: „Solche Tests sind nicht sensibel genug, eben weil das Mikrobiom individuell zusammengesetzt ist.“ Ob und wem die so genannten Darmkuren mit Präbiotika und Probiotika helfen können, ist ebenfalls Thema im Podcast.
Darmkuren: TikTok-Hype oder echter Gamechanger? (Link zum Podcast bei Apple)
(00:00 - 02:21) Intro
(02:21 - 15:35) Teil 1: Unser Darm und das Darmmikrobiom
(15:35 - 30:22) Teil 2: Was Darmkuren können und was nicht
(30:22 - 32:01) Fazit
Vortrag zum Thema Darm und Mikrobiom bei TUM@Freising
Prof. Melanie Schirmer widmete sich bei TUM@Freising im Lindenkeller dem Thema “Mikrobiomforschung: große Datensätze für kleine Mikroben”. Mittlerweile ist eine Aufzeichnung verfügbar (siehe Link zur News unten).
Update 2026: Dirk Haller im Interview über Ernährung und Mikrobiom
Am Rand der 63. Jahreskonferenz der Deutschen Gesellschaft für Ernährung sprach der Hessische Rundfunk mit Prof. Dirk Haller. Dieser erwähnte, dass die Jahreskonferenz 2026 erstmals das Leitthema Ernährung und Mikrobiom hatte. Prof. Haller ging auf einige Fragen rund um das Mikrobiom und die Ernährung ein, besonders was Zusammenhänge mit Krankheiten betrifft. Hörerinnen und Hörer erfahren auch, dass der Haushaltszucker – die Saccharose – gar nicht bis zum Dickdarm vordringt, weil er lange vorher aufgenommen wird.
Die Podcast-Episode dauert 9 Minuten und ist ein Teil von HR Info Aktuell.
Die Erstfassung dieser News der TUM School of Life Sciences erschien am 4. Juni 2025.