Alle Fledermausarten, die in Deutschland vorkommen, sind durch das Naturschutzrecht streng geschützt. Der Schutz schließt auch Quartiere ein, in denen Fledermäuse ihren Winterschlaf verbringen, um die kalte Jahreszeit ohne passendes Nahrungsangebot zu überstehen. Dennoch gehen manche Winterquartiere verloren, zum Beispiel durch Sanierung und Abriss von Gebäuden.
Neue Winterquartiere für Fledermäuse – wie gut funktioniert es?
Deshalb hat sich Julian Treffler in seiner Masterarbeit mit der Frage befasst, ob Fledermäuse auch neu angebotene Winterquartiere akzeptieren, welche Arten das betrifft und welche Bedingungen die Tiere brauchen. Er untersuchte bayernweit 50 Quartiere, die in den letzten 40 Jahren für Fledermäuse geöffnet wurden: Keller und Bunker, Stollen und Wasserreserven sollten den Tieren einen Rückzugsort zum Überwintern bieten.
Doch es zeigte sich, dass es sehr lange dauern kann, bis Fledermäuse ein neues Quartier annehmen und dort Winterschlaf halten – manche wurden gar nicht von den Tieren genutzt. Die Pionierart „Braunes Langohr" stellte sich zwar schon nach einigen Jahren an ganz verschiedenen Orten ein, doch anspruchsvollere Fledermausarten brauchten länger. Das heißt für den Fledermausschutz, dass zerstörte und verlorene Quartiere nicht kurzfristig durch neue Angebote ersetzt werden können.
Wichtiger Beitrag zum Schutz der Fledermäuse und ihrer Quartiere
Der Titel der Masterthesis im Studiengang Ingenieurökologie lautete: „Gezielte Öffnung von Winterquartieren als Artenschutzmaßnahme für Fledermäuse – Erfolgskontrolle für bayerische Winterquartiere“. Die Arbeit hat Dr. Wolfgang Zehlius-Eckert betreut.
Aus der Begründung der Auszeichnung des bdla Bayern: „Wie die Arbeit zeigt, werden die neuen Winterquartiere nur langsam besiedelt. Dieses Ergebnis stellt die artenschutzrechtliche Bewältigung von Eingriffen in solche Quartiere vor große Herausforderungen. Herr Treffler hat deshalb in seinem abschließenden Kapitel 7 Hilfestellungen für die Praxis zusammengestellt. Er hat daher mit seiner Arbeit einen wichtigen Beitrag für den Erkenntniszuwachs bei Fledermäusen geleistet, aber auch für den praktischen Umgang mit Eingriffen in Winterquartiere.“
Bachelorarbeit über die Neugestaltung eines Quartiers in Backnang
Im Jahr 2027 wird in der Region Stuttgart die Internationale Bauausstellung stattfinden, die IBA'27. In seiner Bachelorarbeit "Hydrate Backnang. Wasser für die Stadt" befasste sich Merlin Pott mit der Stadt Backnang, die am Rand der Schwäbischen Alb und am Ufer der Murr liegt. Die Arbeit widmet sich dem 18 Hektar großen und weitgehend ungenutzten Industriegebiet Backnang-West an einer Flussschlinge der Murr.
Merlin Pott geht in seiner Bachelorarbeit auf mehrere Herausforderungen ein: Die frühere Verbindung der Stadt zum Fluss ist verloren gegangen, er ist nicht mehr frei zugänglich. Steile Ufer und der enge Querschnitt der Murr erhöhen die Hochwassergefahr. Hinzu kommt, dass in der gewerblichen Umgebung große Flächen durch Bebauung und Parkplätze versiegelt sind.
Wasserverbindungen zur Murr ins Viertel integrieren
Die Bachelorthesis zeigt, wie das Wasser besser an den künftigen Stadtteil eingebunden werden könnte: Merlin Pott schlägt ein Wasserleitsystem vor, das mit der Murr vernetzt ist, sowie eine lockere Bebauung des Areals: Wohnen, Kleingewerbe und kommunale Einrichtungen sollen ein lebendiges Quartier bilden.
In der Begründung der Preiswürdigkeit schreibt der bdla: "Die innovative Idee eines 'blauen Nervensystems', das den Fluss Murr über sichtbare Wasserverbindungen und hydrologische Impulsknoten tief ins Viertel integriert, schafft neuartige Symbiosen zwischen nachhaltigem Hochwasserschutz, sozial gerechter Stadtentwicklung und Landschaftsgestaltung.
Die Qualifikation ökologisch wertvoller Areale und die Schaffung von neuen Retentionsflächen an der Murr tragen entscheidend zur Überflutungsresilienz bei. Gleichzeitig wird der ehemals industriell geprägte Stadtteil Backnang-West durch attraktive Naherholungsflächen mit vielfältigen Aufenthaltsmöglichkeiten bereichert, die die kulturhistorisch und kulturlandschaftlich geprägte Identität des Stadtteils hervorheben."
Die Bachelorthesis am Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur und Transformation haben Prof. Dr. Udo Weilacher und Dipl- Ing. Pierfrancesco Stella betreut. Im Jahr 2025 befassten sich sieben Studierende der Landschaftsarchitektur und Landschaftsplanung mit der vorgegebenen Aufgabe, die Industriebrache am Fluss neu zu gestalten.
Über den bdla Nachwuchspreis: Der bdla Bayern zeichnet jährlich herausragende Abschlussarbeiten der Landschaftsarchitektur in Bayern aus. Laut bdla werden Arbeiten gewürdigt, die neue Aufgabenfelder für die Landschaftsarchitektinnen und -architekten beschreiben, richtungsweisende gestalterische Lösungen oder wissenschaftliche Methoden aufzeigen oder einen besonderen Anwendungsbezug für die Praxis haben. Der Preis ist mit je 300 Euro und einer Urkunde dotiert.