Münchner Umweltökonom Sebastian Tonke erhält Joachim Herz Preis
Forschung, Auszeichnung |
Dem Statistischen Bundesamt zufolge werden rund 80 Prozent des Trinkwassers in Deutschland in Privathaushalten und kleinen Betrieben verbraucht. Pro Tag und Person sind es 126 Liter. Zwar verfügt Deutschland insgesamt noch über ausreichende Wasserressourcen, aber regionale und saisonale Wasserknappheit tritt bereits heute immer häufiger auf. In den letzten 25 Jahren hat Deutschland laut Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) 60 km3 Wasser verloren – das entspricht etwa zwanzigmal der Wassermenge des Starnberger Sees. Jeder unnötig verbrauchte Liter kann den Druck auf Trinkwassergewinnung, Infrastruktur und Ökosysteme erhöhen. Das Bundesumweltamt geht davon aus, dass sich die Versorgungslage durch den Klimawandel auch in Deutschland drastisch verschlechtern wird und es zu Nutzungskonflikten zwischen Landwirtschaft, Industrie und Privathaushalten kommen kann.
Hier setzt das Forschungsprojekt WETTER (Water Efficiency through Technology, Targeting, and Experimental Research) von Prof. Dr. Sebastian Tonke an. Dazu werden 4.000 Haushalte über einen Zeitraum von zwei Jahren mit digitalen Wasserzählern ausgestattet. Diese erfassen den Verbrauch nahezu in Echtzeit und machen ihn für die Nutzenden unmittelbar sichtbar. Über eine Smartphone-App erhalten die Teilnehmenden unterschiedliche Impulse – etwa finanzielle Anreize, Rückmeldungen zum eigenen Verbrauch oder konkrete Wasserspartipps. Auf diese Weise will Tonke herausfinden, welche Maßnahmen den Verbrauch tatsächlich senken, bei welchen Haushalten sie besonders wirksam sind und warum. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen Versorgungsunternehmen sowie politischen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern dabei helfen, wirksame und skalierbare Strategien für einen nachhaltigeren Umgang mit Trinkwasser zu entwickeln.
„Sebastian Tonke verbindet exzellente wirtschaftswissenschaftliche Forschung mit einer Fragestellung von hoher gesellschaftlicher Relevanz. Besonders überzeugt hat uns, dass die Erkenntnisse seines Projekts weit über den Wassersektor hinaus nutzbar sein können und sich potenziell auch auf den Umgang mit anderen Ressourcen wie Strom oder Gas übertragen lassen. Genau solche mutigen Forschungsvorhaben mit klarem Anwendungspotenzial fördern wir mit dem Joachim Herz Preis“, so Prof. Dr.-Ing. Dr. Sabine Kunst, Vorstandsvorsitzende der Joachim Herz Stiftung.
Der Joachim Herz Preis
Die Joachim Herz Stiftung zeichnet mit dem Joachim Herz Preis herausragende Forschende aus, die mit interdisziplinären Ansätzen Impulse für eine nachhaltige Zukunft geben. Der mit 500.000 Euro dotierte Forschungspreis prämiert innovative Vorhaben von Forschenden in einer frühen Karrierephase, die ihre Forschung vertiefen möchten oder den Transfer ihrer Forschungsvorhaben in die praktische Anwendung verfolgen. Der Joachim Herz Preis ist einer der höchstdotierten Forschungspreise in Deutschland. In diesem Jahr richtete er sich an Wirtschaftswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler, die zu einem smarten Umgang mit Wasser forschen.
Über Sebastian Tonke
Prof. Dr. Sebastian Tonke ist Professor für Environmental Economics an der TUM School of Life Sciences und TUM School of Management. Seine Forschung liegt an der Schnittstelle von Umwelt- und Verhaltensökonomie. Er untersucht die Motive ökonomischen Handelns und evaluiert deren Auswirkungen auf politische Maßnahmen zur Bewältigung von Umweltproblemen –insbesondere beim nachhaltigen Umgang mit Wasser und Abfall. In großangelegten Studien untersucht er, wie verschiedene Maßnahmen wirken, welche Schwächen sie haben und ob sie sich gegenseitig beeinflussen. Tonke promovierte 2019 in Volkswirtschaftslehre an der Universität zu Köln. Von 2019 bis 2026 war er als Senior Research Fellow am Max-Planck-Institut für Verhaltensökonomie in Bonn tätig. Im Frühjahr 2024 war er Visiting Research Fellow an der Harvard University.
Diese Meldung der TUM School of Life Sciences beruht auf einer Pressemitteilung der Joachim Herz Stiftung.