Wenn jede Erkrankung anders verläuft: Neue Darmmodelle für personalisierte Therapien
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„Keine Patientengeschichte gleicht der anderen. Trotzdem erhalten viele Betroffene noch immer standardisierte Behandlungen. Mit SYMPHOGUT wollen wir die biologische Vielfalt der Patientinnen und Patienten besser abbilden – und so dazu beitragen, individuelle Krankheitsverläufe künftig besser zu verstehen und gezielter zu behandeln“, erklärt Ana Mora-Boza. Als Biomaterialwissenschaftlerin leitet sie seit Februar 2026 die Professur für Organoid Systems and Biointerfaces am TUM-Campus Weihenstephan.
Das vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) mit 1,93 Millionen Euro geförderte Projekt ist im Sommer 2026 gestartet und läuft bis 2031.
Die menschliche Vielfalt in der Darmforschung abbilden
Im Projekt SYMPHOGUT verfolgen Ana Mora-Boza und ihr Team einen innovativen Ansatz: Mithilfe patientenspezifischer Darmmodelle werden individuelle Unterschiede zwischen Menschen gezielt berücksichtigt. Die Forschungsgruppe kombiniert synthetische Polymere mit sogenannten Darm-Organoiden – im Labor gezüchteten Miniatur-Darmgeweben, die aus Zellen von Patientinnen und Patienten entstehen und wesentliche Strukturen und Funktionen des menschlichen Darms nachbilden.
In dieser kontrollierten Forschungsumgebung untersucht das Team die komplexen Wechselwirkungen zwischen Darmgewebe, Immunsystem und Mikrobiom im Detail. Gleichzeitig nutzt es synthetische Polymere, um aus Tieren gewonnene Stoffe zunehmend zu ersetzen. Dadurch lassen sich Studien unter anderem besser vergleichen und leichter überprüfen.
Einfluss von Hormonen auf Darmentzündungen im Fokus
Ein besonderer Schwerpunkt von SYMPHOGUT liegt auf der Rolle von Sexualhormonen. „Frauen und Männer werden häufig auf die gleiche Weise diagnostiziert und behandelt. Doch der Krankheitsverlauf und das Ansprechen auf Therapien können sich deutlich unterscheiden. Hormone wie Östrogen und Progesteron verändern sich im Laufe des Lebens – etwa während einer Schwangerschaft oder in den Wechseljahren – und beeinflussen das Immunsystem, die Darmbarriere und das Mikrobiom maßgeblich. All diese Faktoren können entscheidend dazu beitragen, wie Darmentzündungen entstehen und verlaufen“, erklärt Ana Mora-Boza.
Durch die Einbindung hormoneller Einflüsse in die neu entwickelten Labormodelle möchte das Forschungsteam besser verstehen, warum Erkrankungen bei Frauen und Männern unterschiedlich verlaufen können und wie sich das individuelle Hormonprofil auf den Therapieerfolg auswirkt.
Patientennah forschen, gezielter behandeln
Mit SYMPHOGUT will Prof. Dr. Ana Mora-Boza die Darmforschung nachhaltiger, präziser und patientennäher gestalten. Die entwickelten Modelle sollen bereits in der frühen Forschungsphase verlässlichere Hinweise liefern, die Planung klinischer Studien verbessern und langfristig die Entwicklung wirksamerer Therapien beschleunigen. Gleichzeitig kann ihre Methode die Abhängigkeit von Tierversuchen reduzieren.
Damit hat das Projekt das Potenzial, die Versorgung von Menschen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen grundlegend zu verbessern, Gesundheitskosten zu senken und den Weg für eine stärker personalisierte Medizin zu ebnen, die biologisches Geschlecht, Alter und individuelle Krankheitsverläufe berücksichtigt.