"Wald und Waldbewirtschaftung im (unfreiwilligen) Wandel" - TUM@Freising Vortrag mit Prof. Axel Göttlein
TUM@Freising, Wissenschaftskommunikation, Forschung |
Der Klimawandel bringt deutliche Veränderungen der Temperatur und des Niederschlags mit sich. Die physikalische Umwelt wandelt sich schneller, als sich Waldökosysteme hieran anpassen könnten. Unsere heutigen Wirtschaftsbaumarten geraten dadurch unter Druck, was sich zum Beispiel im Frankenwald durch große Schadflächen zeigt.
Außerdem hat die Klimaerwärmung auch Folgen, die nahezu unsichtbar ablaufen, zum Beispiel der Humusschwund im Gebirge. Dieser wird auf längere Sicht deutlich negative Auswirkungen auf den Wasserrückhalt der Bergwälder haben.
Auch das Nährstoffangebot im Waldboden verändert sich
Parallel zu diesem „physikalischen Klimawandel“ erfahren wir auch einen „chemischen Klimawandel“: Seit Ende der 1980er Jahre hat sich die Luftqualität massiv verbessert, besonders die Schwefeldioxid-Emissionen haben deutlich abgenommen – der saure Regen ist Vergangenheit. Allerdings sind die Stickstoff-Emissionen immer noch hoch, die wichtigsten Quellen sind Ammoniak aus der Landwirtschaft und Stickoxide aus Verbrennungsprozessen. Dadurch werden unsere Wälder anhaltend und einseitig mit Stickstoff gedüngt, was je nach Standort eine Unterversorgung mit anderen Nährstoffen bewirken kann.
Von geplünderten Wäldern zur nachhaltigen Bewirtschaftung – und wie weiter?
Der Wald und seine Nutzung haben eine wechselhafte Geschichte. Bis zum Beginn der Neuzeit waren unsere Wälder die wichtigste Quelle für Baumaterial und Brennstoffe, sie wurden dafür stark beansprucht. Außerdem waren sie landwirtschaftlich genutzt, vor allem durch Waldweide und Entnahme von Streu für den Stall. Dieser starke Nutzungsdruck führte zur Zerstörung ganzer Waldlandschaften.
Der Einsatz von Kohle, Erdöl und Elektrizität sowie von Kunstdünger in der Landwirtschaft hat die Wälder stark entlastet, sie konnten nachhaltiger bewirtschaftet werden und sich langsam erholen. Die heutigen technischen Möglichkeiten erlauben allerdings wieder eine umfassendere Nutzung der Wälder – auch anfallende „Reste“ können verwertet werden, zum Beispiel als Brennstoff in Hackschnitzel-Heizungen.
In unserem eigenen Interesse, vor allem aber für unsere Nachkommen, sollten wir unsere Waldökosysteme so gut wie möglich erhalten. Was den physikalischen Klimawandel betrifft, erfordert dieser einen Waldumbau hin zu klimaresilienteren Wäldern. Im Hinblick auf den chemischen Klimawandel und die Biomassenutzung ist eine nährstoffschonende Waldbewirtschaftung der einzig zukunftsfähige Weg.
Vortragstermin:
Donnerstag, 16. Juli 2026, 19:00 Uhr
Lindenkeller in Freising
Für diesen Vortrag wird keine Videoaufzeichnung angeboten … es heißt vor Ort zu sein!
Nach dem Vortrag sind alle Interessierten eingeladen, ihre Fragen an den Referenten zu stellen. Es moderiert Prof. Peter Annighöfer.
Über den Referenten:
Prof. Axel Göttlein studierte Chemie in Würzburg, promovierte zu einem waldbodenkundlichen Thema in München und habilitierte sich für das Fach Bodenkunde an der Universität Bayreuth. Seit 1998 leitet er das Fachgebiet Waldernährung und Wasserhaushalt in Weihenstephan, zunächst an der LMU, seit 2000 an der TUM.
Prof. Göttlein war langjähriger Leiter der Sektion Waldernährung im Deutschen Verband der Forstlichen Forschungsanstalten (DVFFA). In seiner aktiven Forschungszeit, die nach diesem Sommersemester endet, hat er als Autor und Mitautor über 240 Veröffentlichungen zu diversen Aspekten des Nährstoffhaushaltes von Waldökosystemen verfasst.
Über die Reihe:
Die Vortragsreihe „TUM@Freising – Wissenschaft erklärt für ALLE“ wird von der Technischen Universität München gemeinsam mit der Stadt Freising organisiert. In regelmäßigen Abständen stellt die TUM School of Life Sciences ihre Forschung in Form eines für Laien interessanten Vortrags vor. Eine anschließende Diskussion mit dem Publikum ist nach jedem Vortrag ausdrücklich erwünscht. Die Vortragsreihe soll den Freisinger Bürgerinnen und Bürgern einen direkten Zugang zur wissenschaftlichen Arbeit am Campus Weihenstephan ermöglichen und bietet den Forschenden öffentlichen Input für ihre Forschungsarbeiten.