Der menschliche Darm ist aus verschiedenen Zelltypen aufgebaut. Die enteroendokrinen Zellen sind spezialisierte Zellen im Magen-Darm-Trakt, die Hormone produzieren und ins Blut abgeben. Diese Hormone steuern viele wichtige Prozesse, ihre Rolle bei entzündlichen Darmerkrankungen ist aber noch nicht vollständig geklärt.
Das Darmhormon GLP-1 beeinflusst Verdauung und Entzündung
Die enteroenokrinen Zellen schütten viele verschiedene Hormone aus. Diese sorgen dafür, dass Nährstoffe optimal vom Körper aufgenommen werden können. Das bekannteste dieser Hormone ist GLP-1, wobei GLP für “glucagon-like peptide” steht. Viele Zusammenhänge sind bereits bekannt: GLP-1 reguliert die Sättigung, den Insulinspiegel und die Magen-Darm-Passage.
Medikamente, die die Wirkung von GLP-1 nachahmen, werden bei Diabetes und Adipositas eingesetzt, zum Beispiel als so genannte Abnehmspritze. Weniger bekannt ist, dass GLP-1 offenbar auch metabolisch-entzündliche Reaktionen koordiniert und Entzündungsvorgänge im Darm beeinflussen könnte.
Bei Patientinnen und Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen war man nicht sicher, ob auch deren Darmhormone verändert sind. Messungen in Blutproben lieferten widersprüchliche Daten zu den verschiedenen Hormonen.
Veränderungen in den Epithelzellen des Darms
Das Team um Dr. Eva Rath hat sich anhand von Biopsien den Darm selbst angesehen – und zwar seine Epithelzellen, die die Darmbarriere bilden. In dieser Zellschicht sitzen auch die enteroendokrinen Zellen. Die Ergebnisse waren eindeutig: Mäuse mit Darmentzündung und Menschen, die an der autoimmunen Darmerkrankung Morbus Crohn leiden, haben weniger Zellen, die GLP-1 produzieren. Zudem ergaben Transkriptionsanalysen, dass dieser Rückgang schon beginnt, bevor sich die Entzündung bemerkbar macht.
Epithelzellen regenerieren sich zwar laufend, doch bei Entzündungen reifen diese Zellen nicht voll aus, oder wissenschaftlich gesagt: Sie sind nicht terminal differenziert. Dies beeinflusst wiederum die Schleimhautentzündung und die damit einhergehenden Symptome auf vielfältige Weise.
Nicht nur GLP-1, auch andere Darmhormone sind davon betroffen. In Zukunft könnte das bei der Therapie berücksichtigt werden.
Mehr Informationen zur Forschung
Dr. Eva Rath, Letztautorin der Studie, hat kürzlich ihre Habilitation an der TUM abgeschlossen. Sie forscht am Lehrstuhl für Ernährung und Immunologie von Prof. Dirk Haller.
Die Originalpublikation: Reduced Intestinal GLP-1+ Cell Numbers Are Associated With an Inflammation-related Epithelial Metabolic Signature. Cellular and Molecular Gastroenterology and Hepatology, Volume 20, Issue 2, 2026 (open acess). doi.org/10.1016/j.jcmgh.2025.101656
TUM-News (2020): Bessere Therapiemöglichkeiten dank Früherkennung eines Morbus Crohn-Schubes – Erhalt von entzündungsfreien Phasen (Studie zur Veränderung von Stammzellen am Lehrstuhl für Ernährung und Immunologie)